Neue Möglichkeiten bei der Arbeitsvermittlung

Ergebnisse aus dem Modellprojekt DIGIPEG

Vernetzung Menschen innerhalb einer Gruppe
© Gerd Altmann auf Pixabay.de

Die digitale Peer-Gruppen-Beratung wurde als Modellprojekt zwischen März 2019 und Dezember 2020 in 15 Agenturen für Arbeit in Baden-Württemberg getestet und von der Forschung begleitet. Arbeitssuchende erhielten im Rahmen des Projekts von der Agentur für Arbeit eine Smartphone-App, mit der sie mit anderen Arbeitsuchenden an einem Chat teilnehmen konnten. Die Chats waren auf eine Laufzeit von drei Monaten festgelegt, alle Teilnehmenden waren 50 Jahre alt oder älter und die Gruppengröße umfasste zwischen zehn und 30 Personen. Die Teilnahme am Projekt war freiwillig. Die Chat-Teilnehmenden bildeten eine Peer-Gruppe, es waren also Personen in einer ähnlichen Lebenssituation. Der Chat wurde von Vermittlungsfachkräften der jeweiligen Agentur für Arbeit moderiert. Ziel war es, die Arbeitsuchenden in ihrer schwierigen Lebenssituation zu unterstützen und sie auf dem Weg zu einer Erwerbsarbeit zu motivieren.

Gegenseitige Wertschätzung und Informationsweitergabe im Bewerbungsprozess

Die Chats wurden von den Teilnehmenden als hilfreich für das Weitergeben von Informationen empfunden. Wie eine quantitative Analyse über alle Chateinträge zeigt, wurden bei über 70 Prozent der Einträge Informationen zur Arbeitsuche, Nutzung von Stellenportalen, Gestaltung von Bewerbungsunterlagen und zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche erfragt oder weitergegeben. Auch die gegenseitige Bestärkung und der wertschätzende Umgang innerhalb der Gruppen wurde von den Teilnehmenden positiv bewertet. Insgesamt half die Teilnahme an der Chat-Gruppe den Arbeitssuchenden ihre Bewerbungsfähigkeit und -aktivität zu verbessern.

Entscheidend für den Chat-Erfolg: Die Zusammensetzung der Gruppe

Wie sehr die jeweiligen Teilnehmenden vom Chat profitierten, hing auch von der Mischung in der Gruppe ab. Ein weitgehend homogener Mix erleichterte zwar zunächst den gegenseitigen Austausch. Allerdings äußerten einige der Beteiligten, dass sie in der Folge wenig Neues gelernt hätten. Eine heterogenere Gruppezusammensetzung könnte also dazu führen, dass durch unterschiedliche Hintergründe mehr neue, relevante Informationen in den Chat kommen und dadurch das gegenseitige Lernen gefördert wird.

Im Rahmen der Forschung wurden die Teilnehmenden in „stille“ und „aktive“ Teilnehmende eingeteilt. Stille Nutzer:innen profitierten laut der Begleitforschung ebenso vom Chat wie die aktiveren Teilnehmer:innen. Der Austausch funktionierte jedoch umso besser, je mehr aktive Beteiligte in der Gruppe anwesend waren. Ebenfalls als kommunikationsfördernd erwies sich eine „gelockerte Anonymität“, bei der die Beteiligten zwar nicht die Namen der anderen Gruppenmitglieder kannten, dafür aber mehr über ihre beruflichen Hintergründe wussten.

Individuelle Beratungsarbeit durch digitale Kommunikation stärken

Auch die am Modellprojekt beteiligten Fach- und Führungskräfte der Agenturen für Arbeit lobten die Vorteile des Chats. Informationen konnten im Chat schnell und unkompliziert ausgetauscht werden und sie erreichten zudem gleichzeitig mehrere Personen. Die individuellen Beratungs- und Vermittlungsgespräche zwischen den Fachkräften der Agentur für Arbeit und den Arbeitssuchenden könnten also durch die digitale Peer-Gruppen-Beratung entlastet und gleichzeitig gestärkt werden.

Hintergrundinformationen

Weitere Informationen, Details zum methodischen Vorgehen der Begleitforschung sowie Ausschnitte aus den Chat-Verläufen stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung für Interessierte unter dem folgenden Link bereit.