Neugründungen trotz turbulenter Zeiten stabil

Deutscher Startup Monitor 2022

Drei junge Frauen und ein junger Mann schauen gemeinsam auf einen Laptop
© Mimi Thian on Unsplash

Der Startup Monitor trägt dazu bei, die Start-up-Szene in Deutschland sichtbarer zu machen und sowohl ihre Stärken als auch Herausforderungen aufzuzeigen. Der Monitor wird seit 2013 jährlich veröffentlicht und erfasst Unternehmen, die

  • jünger als zehn Jahre sind;
  • ein geplantes Mitarbeitenden-/Umsatzwachstum haben;
  • innovativ in ihren Produkten, Dienstleistungen, Technologien oder Geschäftsmodellen sind.

Positive Bewertungen trotz angespannter Lage

Trotz des angespannten wirtschaftlichen Umfelds sehen 48,3 Prozent der Befragten die aktuelle Geschäftslage ihres Start-ups positiv – das sind 4,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Knapp 10 Prozent der Start-ups rechnen damit, dass die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten schwieriger wird. Die im Monitor erfassten Start-ups erweisen sich nach wie vor als Jobmotor. Insgesamt liegt die Zahl der Beschäftigten in den befragten Unternehmen bei rund 34.500. Der Durchschnitt liegt bei 18,4 Mitarbeitenden je Start-up. Zum Vergleich: 2017 lag er noch bei 10,9 Beschäftigten.

Eine große Rolle für Start-ups spielen internationale Fachkräfte. Mit 27,5 Prozent stammt mehr als ein Viertel der Beschäftigten aus dem Ausland. Die meisten kommen mit 13 Prozent aus anderen EU-Ländern, gefolgt von Asien mit 6,9 Prozent und Nordamerika mit 2,3 Prozent. Besonders international aufgestellt sind die Teams in Berlin (40,6 Prozent) und in München (36 Prozent).

Gründerinnen und Beschäftigte m Start-up-Sektor

Nach wie vor deutlich unterrepräsentiert in der deutschen Start-up-Szene sind Frauen – sowohl als Gründerinnen wie auch als Mitarbeiterinnen. Der Anteil an Gründerinnen stieg immerhin leicht an und liegt mittlerweile bei 20,3 Prozent (2021: 17,7 Prozent). Der Frauenanteil unter den Beschäftigten liegt im Durchschnitt bei 37 Prozent.

Vereinbarkeit von Familie und Gründungen

Gründer:innen arbeiten durchschnittlich 55 Stunden in der Woche, davon 48 Stunden unter der Woche und 7 Stunden am Wochenende. 43,0 Prozent der Befragten haben Kinder. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum gaben 61 Prozent der Männer an, zufrieden zu sein, während dies nur bei 51,3 Prozent der Frauen der Fall ist. Die Zahlen deuten laut Startup Monitor darauf hin, dass Gründerinnen im Vergleich zu Gründern noch immer mit höheren gesellschaftlichen Erwartungen und Anforderungen im familiären Kontext konfrontiert sind.

Start-up-Gründungen: Berlin und Nordrhein-Westfalen an der Spitze

Die meisten Start-ups finden sich laut dem Monitor in Nordrhein-Westfalen (19,8 Prozent) und Berlin (19,1 Prozent). Aber auch München (8 Prozent) gilt als „Gründungs-Hotspot“. Im Hinblick auf die Branchen dominiert nach wie vor die Informations- und Kommunikationstechnologie mit einem Anteil von 29,7 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen Medizin- und Gesundheitswesen (10,6 Prozent) sowie Ernährung/Nahrungsmittel und Konsumgüter (10,2 Prozent).

Größte Herausforderung: Der Fachkräftemangel

Geeignetes Personal zu finden ist für mittlerweile 35 Prozent der Start-ups eine der großen Schwierigkeiten. Als Strategie gegen den Fachkräftemangel fordern 92 Prozent der Start-ups mit mehr als 25 Beschäftigten vom Gesetzgeber attraktivere Regelungen für Mitarbeiterbeteiligungen. Dicht dahinter rangiert der Wunsch nach schnelleren und einfacheren Verwaltungsprozessen. Hier müsse Deutschland im internationalen Vergleich dringend aufholen.

Hintergrund

Das Projekt „Deutscher Startup Monitor“ wurde vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. initiiert und zwischen 2013 und 2015 unter der wissenschaftlichen Leitung der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (Forschungsgruppe Berlin-Start-up Insights) durchgeführt. Seit 2016 wird der Startup Monitor durch den Lehrstuhl für Digital Business und Digital Entrepreneurship der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Tobias Kollmann) wissenschaftlich begleitet und durchgeführt. Unterstützt wird die Studie seit 2019 durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Seit seiner Gründung 2012 vertritt der Bundesverband Deutsche Startups e. V. die Start-up-Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Ziel des Start-up-Verbandes ist es, Deutschland und Europa zu einem gründungsfreundlichen Standort zu machen, der Risikobereitschaft honoriert und den Pionier:innen unserer Zeit die besten Voraussetzungen bietet, um mit Innovationskraft erfolgreich zu sein.