Chancengleichheit Projekt entwickelt Handlungsempfehlungen für Führungsmodelle in Teilzeit

Margit Gottstein mit Milanie Kreutz und Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok vor der Fotowand "Führen in Teilzeit"
Margit Gottstein mit Milanie Kreutz (links) und Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok bei der Auftaktveranstaltung "Führen in Teilzeit"© Kira Hofmann/photothek.de

Am 26. April hat das Bundesgleichstellungsministerium zu einer Auftaktveranstaltung zum Thema "Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden" eingeladen. Die Veranstaltung ist Teil eines Projekts des Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, mit dem Modelle der Teilzeitführung in der Bundesverwaltung an Relevanz und Sichtbarkeit gewinnen sollen. Ziel ist, über einen praxisnahen Handlungsleitfaden, aufzuzeigen, wie Führen in Teilzeit funktionieren kann - ob als Einzelführungskraft oder im Tandem. Das Projekt wird vom Bundesgleichstellungsministerium gefördert.

Margit Gottstein, Staatssekretärin im Bundesgleichstellungsministerium: "Fachkompetenzen und Führungsstärken dürfen nicht an der Vorstellung scheitern, dass Führen nur in Vollzeit geht. Wir wollen mit Führungspositionen in Teilzeit insbesondere mehr Frauen in Referats- und Abteilungsleitungen bringen. Denn unser Ziel ist, Führungspositionen in der Bundesverwaltung bis 2025 paritätisch zu besetzen. Dazu haben wir uns verpflichtet. Wir fordern von der Privatwirtschaft Gleichstellung und mehr Frauen in Führungspositionen, dann müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen."

Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst

An der Auftaktveranstaltung in Berlin nahmen circa 80 Vertreterinnen und Vertreter aus 26 der obersten Bundesbehörden teil. Dazu zählten Leiterinnen und Leiter der Zentralabteilungen sowie ihr Fachpersonal, Gleichstellungsbeauftragte, Vertreterinnen und Vertreter der Personalräte sowie Führungskräfte, die in Teilzeit leiten. Am Nachmittag diskutierten die Gäste über zentrale Fragestellungen und Erwartungen an das Projekt.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung des dbb beamtenbund und tarifunion, nahm ebenfalls an der Veranstaltung teil. In ihrem Grußwort wies sie darauf hin, dass der Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen in der Bundesverwaltung nach wie vor zu langsam voranschreite, um die Zielvorgaben der Bundesregierung bis 2025 zu erreichen. Im öffentlichen Dienst bestehe ein erheblicher Fachkräftemangel, der die Handlungsfähigkeit des Staates gefährde. Studien zeigten, dass ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen häufig mit einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung einhergehe, so Milanie Kreutz. Abschließend betonte sie, dass zur Fachkräftesicherung Maßnahmen wie Tandemführung oder Führung in Teilzeit zur Förderung von Frauen eingeführt werden müssten.

Teilzeitmodelle auf allen Führungsebenen ermöglichen

Im Anschluss an die Vorstellung des Projekts folgte eine Paneldiskussion, bei der einige Teilnehmende ihre Erfahrungen mit verschiedenen Führungsmodellen teilten.

Eine Referatsleiterin aus dem Bundesarbeitsministerium berichtete über ihre Erfahrungen mit beiden Teilzeitmodellen. Sie habe zunächst im Tandem geführt und leite heute ein Referat allein. Beides könne gut funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Gute Führung sei der Schlüssel - allein oder gemeinsam. Entscheidend sei auch, wie sich die Tandems in der Praxis gut finden können, berichtete eine weitere Teilnehmerin, die sich eine Führungsposition mit einem männlichen Kollegen teilt.

Die Diversity- und Jobsharing Expertin eines Konzerns warb dafür, das Thema "Führen in Teilzeit" aus der "Frauen- und Mütterecke" herauszuholen. Jobsharing, zu dem auch das Führen im Tandem gehört, sei ein geeignetes Arbeitsmodell, für das sich inzwischen auch viele Männer interessierten.