Fachkräfte-Mangel

Lücke bei MINT-Berufen 2022 so groß wie nie

Zwei Frauen in einem Raum mit technischen Geräten und Laptop
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Zugewanderte Beschäftigte spielen schon jetzt eine wichtige Rolle, um den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften im MINT-Berufen zu decken: Ohne sie würde die Lücke bei mehr als 600 000 liegen. Während die Zahl der deutschen Beschäftigten in MINT-Berufen vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal 2021 nur um 7 Prozent gestiegen ist, nahm die Beschäftigung von ausländischen Fachkräften im gleichen Zeitraum um rund 80 Prozent zu.

Demografischer Wandel trifft auf hohen Bedarf an Fachkräften

Ursachen für den Mangel an Fachkräften sind einerseits die demografische Entwicklung in Deutschland und andererseits das Wachstum im MINT-Bereich. In den kommenden Jahren gehen deutlich mehr MINT-Fachkräfte in den Ruhestand, als durch neu ausgebildete Beschäftigte ersetzt werden können. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Studienanfänger:innen in den Bereichen Ingenieurwissenschaft, Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften seit 2016 deutlich.

Demgegenüber steht die Erwartung vieler Unternehmen, in den kommenden Jahren noch einmal deutlich mehr MINT-Beschäftigte zu brauchen. Als größte Wachstumsbereiche werden der Klimaschutz und die Digitalisierung angesehen. Besonders gefragt sind daher (Umwelt)-Ingenieurinnen und -Ingenieure sowie IT-Expertinnen und -Experten. Dieser Trend ist nicht neu: Während die Beschäftigung in den MINT-Berufen von Ende 2012 bis Herbst 2021 insgesamt um rund 40 Prozent gestiegen ist, nahm die Zahl der IT-Fachleute um fast 106 Prozent zu.

MINT-Fachkräfte-Lücke schließen

Dem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften sollte aus Sicht der Fachleute mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen begegnet werden. Dazu gehören unter anderem eine bessere digitale Ausstattung von Bildungseinrichtungen, entsprechende Weiterbildungen für pädagogisches Fachpersonal und mehr Informatikunterricht an Schulen. Zudem sollten bürokratische Hürden bei der Zuwanderung von MINT-Fachkräften weiter abgebaut und Frauen stärker gefördert werden. Denn in Deutschland entscheiden sich nach wie vor viel weniger Frauen für einen MINT-Beruf oder ein MINT-Studium als Männer. Mädchen schätzen sich im Vergleich zu Jungen in den MINT-Fächern als schlechter ein und werden in dieser Wahrnehmung oft noch von den Eltern bestärkt. Abhilfe könnten hier eine klischeefreie Studien- und Berufsorientierung, Kontakte zu Mentorinnen beziehungsweise Mentoren sowie eine Unterstützung für MINT-interessierte Mädchen und Frauen in den sozialen Netzwerken bringen.

Die Initiative Klischeefrei sowie der einmal im Jahr stattfindende Aktionstag Girls´Day – Mädchen-Zukunftstag, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden, leisten einen substantiellen Beitrag zur Stärkung der klischeefreien Studien- und Berufsorientierung. Dem Netzwerk der Initiative Klischeefrei gehören mehr als 440 Partnerorganisationen an, darunter Ministerien sowie Schulen, Kitas, Hochschulen und Unternehmen, die sich selbst zu einer klischeefreien Berufs- und Studienwahlbegleitung verpflichten und diese inner- und außerhalb ihrer Institutionen verbreiten. Am Aktionstag Girls´Day wird versucht, Mädchen und junge Frauen für Berufe zu begeistern, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, darunter fallen auch die MINT-Berufe. Diese Sensibilisierungsmaßnahme stößt auf großes Interesse. Deutschland kann es sich angesichts des Fachkräftemangels nicht leisten, die Potentiale von Mädchen und Frauen weiterhin brach liegen zu lassen. Neben der damit verbundenen Gerechtigkeitsfrage berührt diese Herausforderung auch die wirtschaftliche Zukunft des Standortes Deutschland.