Studie und Kompetenz-App

Pluspunkt Familie: Informelle Kompetenzen gezielt in den Job einbringen

Familie, Mutter, Vater, Junge und Mädchen am Esstisch
© Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Informelles Lernen findet durch das Bewältigen von Alltagssituationen statt. Halb- oder unbewusst werden etwa bei der Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen neue Kompetenzen erworben, wie:

  • Soziale und pädagogische Fähigkeiten,
  • Organisations- und Zeitmanagement,
  • Improvisationsfähigkeit, um kreative (Problem)-Lösungen zu entwickeln,
  • Flexibilität,
  • generationsübergreifende Verhandlungskompetenz
  • oder weitere Kompetenzen wie zum Beispiel aus ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Wollen Unternehmen die in der Familie erworbenen Soft Skills nutzen, müssen sie Eltern deutlich machen, dass ihre Fähigkeiten gesucht sind und geschätzt werden.

Informell erlernte Soft Skills werden zu selten angesprochen

Laut der Studie „Elternkompetenzen & Arbeit“, für die insgesamt 407 erwerbstätige Eltern befragt wurden, haben nur 23 Prozent der Mütter und Väter das Gefühl, dass ihre Führungskraft ihre (weiter-)entwickelten Kompetenzen erkennt. Lediglich 15 Prozent der Eltern haben ihre Führungskraft schon einmal auf ihre informell erlernten Fähigkeiten angesprochen. Mütter beziehungsweise Väter sprechen mit ihren Führungskräften eher über informell Erlerntes, je mehr sie im Unternehmen wahrnehmen, dass ihre Kompetenzen begrüßt werden und die Verantwortlichen sie nutzen möchten. Die Wertschätzung durch die Kolleginnen und Kollegen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein allgemein als familienfreundlich wahrgenommenes Arbeitsklima allein bringt Eltern dagegen nur in geringem Ausmaß dazu, ihre Führungskraft gezielt auf dieses Thema anzusprechen.
Kompetenzen durch gezielte Strategien sichtbar machen

Damit der Kompetenz-Transfer besser gelingt, sollten Unternehmen Strategien entwickeln oder standardisierte Prozesse schaffen, um informell erworbene Soft Skills der Mitarbeitenden besser sichtbar machen zu können, empfehlen die Studienautor:innen. Wichtig ist es darüber hinaus, dass Führungskräfte selbst reflektieren, welche Fähigkeiten sie durch die Familie erlernt haben und ein Beispiel dafür geben, wie sich diese Soft Skills beruflich nutzen lassen. Auf der anderen Seite sollten auch Eltern sich stärker bewusst machen, welche Fähigkeiten sie in ihrer Familie erlernt oder weiterentwickelt haben. Da das im Familienalltag oft untergeht, empfiehlt das Experten-Team ein Lerntagebuch oder eine sogenannte Kompetenz-App zu nutzen. Auf diese Weise wird es einfacher, die oft unbewusst entwickelten Kompetenzen klar zu benennen und bei Bedarf darauf zu verweisen.

Wichtigster Schritt für den Kompentenz-Transfer von der Familie in den Beruf ist das Gespräch mit der zuständigen Führungskraft. Hier darf gerne darauf hingewiesen werden, dass ein Großteil der berufsrelevanten Soft Skills informell erlernt wird.

Lernen, was informelles Lernen bedeutet

Allen Interessierten bietet die vom WorkFamily-Institut getragene Plattform kompetenzexpert.de die Möglichkeit, sich in einem kostenlosen Webinar zum Thema informelles Lernen weiterzubilden. In vier Teilen und knapp zwei Stunden vermittelt der Kurs, was informelles Lernen genau bedeutet, wie man eigene Fähigkeiten genau beschreibt, wie sich diese Skills in Businesssprache übersetzen lassen und wie der Einsatz im Arbeitsumfeld aussehen kann.