Fachkräftemangel in Engpassberufen

Ergebnisse der Studie „Ältere am Arbeitsmarkt“

Frau (älter) am Werk- Zeichentisch
© PIKSEL on iStock

Aktuell ist fast ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland über 55 Jahre alt. Das liegt nicht nur an der demografischen Entwicklung, sondern auch an der gestiegenen Erwerbsquote Älterer, die inzwischen zu den höchsten in Europa zählt. Während im Jahr 2001 nur 37,8 Prozent der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig waren, waren es im Jahr 2020 71,7 Prozent.

Fachkräftemangel in Engpassberufen

Je größer der Anteil der älteren Beschäftigten in einem Beruf, desto mehr Stellen müssen in den nächsten Jahren neu besetzt werden. Dieser sogenannte Ersatzbedarf bezeichnet den Anteil der Beschäftigten im Alter von 55 Jahren oder älter, die voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn Jahre aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Laut der Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung wird sich dadurch der Fachkräftemangel vor allem in sogenannten Engpassberufen weiter verschärfen. Besonders betroffen sind unter anderem Berufsfelder im Bereich:

  • Bau, Architektur und Vermessung,
  • Verkehr und Logistik,
  • Schutz und Sicherheit.

Ebenfalls hohe Ersatzbedarfe zeichnen sich im Bereich Aufsicht und Führung in der Gesundheits- und Krankenpflege, beim Rettungsdienst und in der Geburtshilfe ab. Circa 40 Prozent der Beschäftigten sind über 55 Jahre alt. Auch Führungspositionen in der Altenpflege sind von dieser angespannten Fachkräftesituation betroffen.

Aufgrund der verstärkten Renteneintritte könnte künftig ebenfalls ein Mangel an Fachkräften in Berufen entstehen, die derzeit noch nicht als Engpassberufe ausgewiesen sind, da in vielen Berufsfeldern schon heute vergleichsweise wenige qualifizierte Arbeitslose der Zahl an freien Stellen gegenüberstehen.

Detailliert aufbereitete Daten zur Altersstruktur der Beschäftigten in Deutschland und welche Auswirkungen sich daraus für verschiede Berufsfelder ergeben, stehen Interessierten in der Studie „Ältere am Arbeitsmarkt – Herausforderungen und Chancen für die Fachkräftesicherung“ in Form von Grafiken und Tabellen zur Verfügung.

Nachwuchs fördern – gute Rahmenbedingungen für Ältere schaffen

Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass sie sich frühzeitig um eine strategische Personalplanung kümmern müssen, bei der auch die Altersstruktur der Belegschaft analysiert wird. Auf dieser Basis kann Fachkräfteengpässen gezielt gegensteuert werden, beispielsweise durch verstärktes eigenes Ausbilden, das Anwerben von aus- und inländischen Fachkräften sowie dem Schaffen von Rahmenbedingungen, die Älteren eine möglichst lange Berufstätigkeit ermöglichen, auch über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus.

Zu den zielgruppen- und bedürfnisorientieren Angeboten gehören beispielsweise:

  • Attraktive, altersgerechte Arbeitsbedingungen: flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, mehr Urlaub, die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten,
  • Weiterbildungen, welche die Bedürfnisse von älteren Mitarbeitenden berücksichtigen (etwa Unterstützung für alle, die weniger digital-affin sind),
  • Möglichkeiten, körperlich weniger anstrengende Tätigkeiten zu übernehmen,
  • Ausbildungen auch für Ältere, etwa für Quereinsteiger oder An- und Ungelernte, die bereits im Unternehmen arbeiten.

Im Bereich Berufsausbildung haben viele Unternehmen bereits reagiert und zum Beispiel ihr Ausbildungsplatzangebot in Engpassberufen ausgebaut, um sich Nachwuchs zu sichern und dem demografisch bedingten Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung

Für Personalverantwortliche, die sich intensiver mit dem Thema Fachkräftesicherung beschäftigen möchten, hält das Internetportal Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung entsprechende Informationen und Handlungsempfehlungen bereit. Studien zur aktuellen Fachkräftesituation und kostenfreie Webinare runden das Angebot ab. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen kann dies interessant sein, da ihnen häufig die Ressourcen fehlen, um sich im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte zu behaupten. Das Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.